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Eliot Weinberger: Orangen! Erdnüsse!

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Orangen stammen aus Asien, doch niemand weiß, von wo genau. Die Chinesen erwähnen sie in ihren frühesten Schriften; das Wort kommt aus dem Sanskrit: naranga. Manche meinen, sie seien in Mesopotamien gewachsen; manche, die Ägypter hätten welche gegessen; andere meinen, Orangen fänden in der Bibel Erwähnung, doch wiederum andere meinen, das seien gar keine Orangen. Die Römer haben sie von den Persern und errichteten die ersten Gewächshäuser mit Scheiben aus Glimmer, um die Pflanzen zu schützen: „Orangerien“. Jupiter gab Juno als Symbol ewiger Liebe eine Orange zum Hochzeitstag. … Die Orange ist keine Frucht, sondern eine Beere, war, weiß ich nicht. La mar no tiene naranjas, das Meer hat keine Orangen.

Die Erdnuss ist keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht. Sie kam aus Brasilien, oder sie kam aus Peru, oder sie kam aus Brasilien nach Peru, oder sie kam aus der Guaraní-Region von Paraguay und Bolivien nach Brasilien und Peru; genau weiß das keiner. … Die Spanier brachten sie auf die Philippinen, von dort breitete sie sich in China aus, wo sie die „fremde Bohne“ genannt wurde. Die Chinesen brachten sie nach Japan, wo sie „chinesische Bohne“ genannt wurde. Die den Nordamerikaner eigene Künstlichkeit, Erdnussbutter, wurde um 1890 von einem Arzt in St. Louis erfunden, doch niemand kennt seinen Namen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwierig für Brasilien, Orangen zu exportieren. Die Haine wurden vernachlässigt, und fast alle Orangenbäume im Land, etwa vierzig Millionen Stück, gingen an einer bis dahin unbekannten Seuche ein, die man „La Tristeza“ nannte. La naranja es la tristeza, die Orange ist Kummer.

In England und auf Sizilien war sie das Symbol für das Herz des Opfers; man steckte seinen Namen an einer Orange fest und verbarg sie im Kamin, bis diese Person starb. Die Erdnuss ist nie Symbol für irgendetwas gewesen, doch einige afrikanische Stämme glaubten, dass sie einer der wenigen Pflanzen sei, die eine Seele haben.

Die Erdnuss ist rätselhaft. Sie ist klein, mit Blättern oben und Blüten am Boden. Die Blüten bestäuben sich selbst, verlieren ihre Blätter, dann schwellen die Stempel an, wachsen von der Pflanze fort, werden zu langen Stängeln, die sich in den Boden bohren und an ihren Sitzen Erdnüsse bilden. Die Erdnuss ist die einzige Pflanze, die ihre Frucht unter der Erde ausbildet. Sie ist eine Metapher für irgendetwas, aber ich weiß nicht was.

Eine Orange ist grün und wird erst dann orange wenn es kühl wird. Die Farbe ist nach der Frucht benannt, nicht umgekehrt.

Der Botaniker George Washington Carver, der sein Leben der Zucht von Erdnüssen gewidmet hat, hatte einmal einen Traum. Gott erschein ihm und sagte:“ Frage mich etwas.“ „Verrate mir alles, was über die Erdnuss zu wissen gibt.“ und Gott sprach: „ Dein Verstand ist zu klein, um die Erdnuss zu verstehen.“

La luna llorando dice: Yo quiero ser una naranja. Der Mond weint und sagt: Ich möchte eine Orange sein. Der Astronaut Alan B. Shepard nahm eine Erdnuss mit auf den Mond.

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