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Frida Kahlos Lächeln

Wie so viele bin ich erst durch Julie Taymors Film auf Frida Kahlo aufmerksam geworden. Es ist die Erfahrung von körperlichem Gebrechen, von Schmerz und seiner Verwandlung in Kunst, die mich an Kahlo so fasziniert. Ihre Bilder sind durchdrungen von Leid, ihr Körper wird darauf seziert, durchstoßen, zertrümmert – bis an die Grenze der Erträglichkeit. Im Kindesalter erkrankt sie an Polio, wodurch ihr rechtes Bein unterentwickelt bleibt. Ein Jahrzent später – sie ist inzwischen eine von nur 35 weiblichen Studenten an der renomierten Escuela Nacional Preparatoria in Mexico Stadt  – gerät sie in einen schweren Autounfall, in dem sie vielfache Knochenbrüche und innere Verletzungen erleidet (ein Eisenstab hat sich durch ihren Magen und ihre Gebärmutter gebohrt.) Monatelang muss sie in einem Ganzkörpergibs im Krankenhaus verbringen und beginnt dort mit dem Malen. Obwohl sie schließlich kraft ihres starken Willens wieder auf die Beine kommt, hat sie doch lebenslang unter den Folgen des Unfalls zu leiden: starke Schmerzattacken, regelmäßige Krankenhausbesuche und über dreißig Operationen. Sie ist heute eine der berühmtesten Künstlerinnen der Welt.

Als ich Frida Kahlos Briefe las, musste ich immer wieder lächeln, über ihre verspielten Formulierungen, eigenwilligen Forderungen und liebenswürdigen Kosenamen. Im Folgenden tippe ich genau die Passagen ab, bei deren Lektüre ich geschmunzelt habe.

Brief an Alejandro Gómez Arias, 25. Dezember 1924

Mein Alex, ich liebe Dich, seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Was sagen Sie dazu? Da wir uns wohl einige Tage nicht sehen werden, bitte ich Dich inständig, Deine kleine süße Frau nicht zu vergessen, ja?  …  Manchmal nachts habe ich große Angst und wünschte mir, Du wärst bei mir, damit ich nicht solche Angst zu haben brauche und Du mir sagen könntest, dass Du mich genauso liebst wie früher, wie im letzten Dezember, auch wenn ich ein „leichtes Ding“ bin, nicht wahr, Alex? Leichte Dinge scheinen Dir zu gefallen… Ich möche gerne noch leichter sein, ein winzig kleines Etwas, das Du einfach in Deiner Tasche herumtragen kannst, immer und überall… Alex, schreib mir bald, und sag mir, dass Du mich sehr liebst und nicht ohne mich leben kannst, selbst wenn es nicht stimmen sollte…
Dein Mädchen, Deine Kleine, Deine Frau oder was immer Du willst. Frida

 

Brief an Alejandro Gómez Arias, 01. Januar 1925  (Nachdem Arias ihr von seiner Liebelei mit einer Frau namens Anita Reyna erzählt hat.)

tumblr_l55bob3dho1qb9fdoo1_400Natürlich würde ich mich nicht mal im Traum über das aufregen, was Du über Anita Reyna sagst. Erstens ist es nur die Wahrheit – sie ist wirklich sehr hübsch und sehr reizend -, und zweitens mag ich alle, die Du liebst oder geliebt hast (!), aus dem einfachen Grund, weil Du sie liebst. Das mit den Zärtlichkeiten hat mir allerdings nicht besonders gefallen, denn auch wenn ich verstehe, dass sie wirklich sehr reizend ist, empfinde ich so etwas wie… nun, wie soll ich sagen…, so etwas wie Neid, verstehst Du? Aber das ist nur natürlich. Wenn Du sie irgendwann streicheln willst, dann streichle mich, und stell Dir vor, ich wäre sie, einverstanden, mein Alex? Du wirst sagen, dass ich viel verlange, aber es ist mein einziger Trost. Ich weiß, auch wenn da eine sehr hübsche Anita Reyna sein sollte, gibt es eine nicht minder hübsche Frida Kahlo.

 

Brief an Alejandro Gómez Arias, 17. März 1926

Ich habe bis um halb sieben im Kloster auf Dich gewartet, und ich hätte ein Leben lang auf dich weitergewartet, aber ich musste rechtzeitig zu Hause sein.

 

Brief an Alejandro Gómez Arias , 22. Juli 1927  

Neuigkeiten aus meinem Herzen

– nur Du –

Du

Frida

 

Brief an Nickolas Muray,  31. Mai 1931

(Hier fügt Frida einen Lippenabdruck ein) Das ist ganz besonders für deinen Nacken.

 

Brief an Diego Rivera,  23. Juli 1935

Ein gewisser Brief, den ich zufällig in einer gewissen Jacke eines gewissen Herrn sah, von einem gewissen Dämchen aus dem fernen, verfluchten Deutschland … Warum will es einfach nicht in meinen sturen Kopf, dass die Briefe, die Weibergeschichten, die Englischlehrerinnen“, die Zigeunermodelle, die „hilfsbereiten“ Assistentinnen, die an der „Kunst der Malerei“ interessierten Schülerinnen und die „wichtigen Botschafterinnen von weit her“ lediglich ein Zeitvertreib sind und Du und ich uns im Grunde genommen von Herzen lieben? Und wir werden uns immer lieben, auch wenn wir zahllose Affären haben, Türen zertrümmern, uns rüde beschimpfen und über Landesgrenzen hinweg beschweren. Es ist wohl so, dass ich ein bisschen dumm und beschränkt bin, denn in den sieben Jahren unseres Zusammenlebens sind all diese Dinge immer wieder vorgekommen, und all meine Wutausbrüche haben lediglich bewirkt, dass ich begriffen habe, wie sehr ich Dich liebe: mehr als meine eigene Haut. Und auch wenn Du mich nicht genauso liebst, so liebst Du mich doch ein wenig, oder? Wenn es nicht so sein sollte, bleibt mir immer noch die Hoffnung dass es so sein könnte, und das genügt mir…

Liebe mich ein kleines bisschen. Ich bete Dich an

Frida

 

Brief an Ella Wolfe,  13. Februar 1938 (Antwort auf die Frage nach Diegos Hemdgröße)

Leider kann ich dir die Maße nicht nennen, nach denen Du fragst, denn sosehr ich auch im Hemdkragen suche, ich kann nicht die geringste Spur einer Nummer entdecken, die einen Hinweis auf die Kragenweite des Don Diego Rivera gäbe. Deshalb wäre es wohl am besten – falls dieser Brief rechtzeitig ankommen sollte, was ich very much bezweifle -, wenn du Martin ausrichtest, er möge mir bitte sechs von den größten Hemden besorgen, die es in New York gibt, solche, von denen man kaum glauben mag, dass sie für einen Menschen gedacht sind, das heißt die größten auf diesem Planeten, gemeinhin Erde genannt. Ich glaube Du kannst sie in den Seemansläden bekommen, dort unten am Stadtrand von New York …

 

Brief an Alejandro Gómez Arias, 22. April 1927

Schreib mir

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      “

und vor allem  lieb mich

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Brief an Nickolas Muray , 13. Juni 1939 (Nachdem Muray ihr von seiner bevorstehenden Hochzeit schreibt)

Ich bitte Dich um einen großen Gefallen: Bitte schick mir das kleine Kissen mit der Post – ich will nicht, dass jemand anders drauf liegt. Ich verspreche, Dir ein neues zu machen, aber ich möchte das haben, das jetzt unten bei Dir auf dem Sofa am Fenster liegt. Und noch eine Bitte: Lass „sie“ nicht den Feuermelder auf der Treppe berühren (Du weißt schon welchen). Wenn du es vermeiden kannst und es nicht zu viele Umstände macht, dann fahr nicht mit ihr nach Coney Island, besonders nicht ins Half Moon. Nimm mein Photo vom Kamin, und häng es in Mams Zimmer im Studio auf…

 

Brief an Dr. Leo Elosser am 15. März 1941

Ich kann die Gringos mit all ihren Vorzügen und Fehlern – von denen sie ebenfalls reichlich haben – nicht ausstehen. Ich habe ihre Art, sich zu geben, ihre Scheinheiligkeit und ihren widerlichen Puritanismus, ihre protestantischen Sermone, ihre überzogenen Ansprüche, die Tatsache, dass man immerzu „very decent“ und „very proper“ sein muss… Ich weiß, dass die Leute hier gottverdammte Diebe, Hurenböcke etc., etc. sind, aber selbst bei den größten Sauereien beweisen sie noch ein bisschen Sinn für Humor, während die Gringos ausgemachte Langweiler sind, da können sie noch so höflich und decent sein. Außerdem finde ich ihren Lebensstil abstoßend, diese beschissenen Parties, wo nach etlichen kleinen, harmlosen Cocktails (nicht einmal anständig besaufen können sie sich) alles mögliche beschlossen wird, vom Verkauf eines Bildes bis hin zur Kriegserklärung…

 

Eine ganz andere Seite von Frida Kahlos Briefen findet ihr unter Frida Kahlos Seele.

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