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Sari Nusseibeh ist „der gefährlichste Palästinenser“

Gewaltanwendung ist nicht nur unmenschlich, sondern auch politisch sinnlos, ja kontraproduktiv!

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Der Mann, den die Israelis als „gefährlichsten Palästinenser“ bezeichneten, ist Oxford- und Harvard Absolvent. Als Dozent der Al-Quds-Universität in Jerusalem, riefen seine Studenten ihn – etwas weniger prätentiös – „Wuschelkopf“; sein richtiger Name ist Sari Nusseibeh und er ist Philosophie Professor. Seine Seminare pflegte er in Hummus Restaurants und Cafes zu halten, wo er mit seinen Studenten Kette rauchend die abwegigsten Thesen diskutierte, immer entschlossen sie bis zum Kern der Dinge zu führen und nicht nur die Oberfläche streifen zu lassen, wie es seiner Erfahrung nach in den meisten politischen Debatten geschah. Er erregte den Zorn des Universitätsdirektors, weil er mit unterschiedlichen Socken zur Arbeit erschien. Und er hatte bis Anfang der achtziger Jahre kaum etwas mit Politik zu tun. Nur wenige Jahre später saß Nusseibeh in einem israelischen Gefängnis.

In „Es war einmal ein Land“ schildert er sein Leben als Dozent, politischer Aktivist, Intellektueller und je nach Lage enger Berater, Kritiker oder Freund51aewfvh4ql-_sy344_bo1204203200_ der tonangebenden Politiker auf beiden Seiten des Israel-Palästina Konflikts. Er spielt eine zentrale Rolle während der ersten und zweiten Intifada, dem ersten Golfkrieg, der Madrider Konferenz 91, Oslo 1993, der Operation Eiserne Faust 2002 und Sharons Mauerbau 2003.Was Nusseibehs Schriften so wertvoll macht, ist die einzigartige Perspektive des Autors. Tief verwurzelt in der palästinensischen Tradition, sucht er schon früh den persönlichen Kontakt zu Israelis, lernt hebräisch und arbeitet in einem Kibbuz um sich „ein Bild davon machen, wo die Schwerter Zions geschmiedet werden.“ Die lebenslange menschliche Begegnung mit Israelis einerseits und die Verbundenheit mit seinem Volk, den Dorfbewohnern, Arbeitern und Studenten andererseits,gepaart mit der intellektuellen Fähigkeit, einem Problem mit Klarheit, Ideenreichtum und Kreativität zu begegnen und dem Mut, seine Ideen, seien sie noch so unbeliebt, laut und deutlich zu verkünden und sich unermüdlich für die Menschlichkeit einzusetzen, machen seine Schrift zu einem herausragenden Dokument der Zeitgeschichte. Seine einflussreichen Ideen zur Zwei Staaten Lösung (als diese noch unmöglich erschien), seine kreative „Annektiert uns“ Kampagne und sein Engagement zur Bildung einer Schattenregierung (von seinem Büro in einem kleinem Klo – das zugestopfte Abflussrohr zum Klo verlief unter seinem Schreibtisch – machte er sich daran, mit Akademikern, Schriftstellern und Arbeitern einen Staat aufzubauen) – all das erfährt man in lesenswerten und unterhaltsamen Passagen seiner außergewöhnlichen Memoiren. Hier will ich mich auf die meiner Meinung nach wichtigste Erkenntnis Nusseibehs konzentrieren: Es geht um die Anwendung von Gewalt im Kampf gegen die israelische Besetzung.

Gewaltanwendung ist nicht nur unmenschlich, sondern in unserem Fall auch politisch sinnlos, ja kontraproduktiv!

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An den meisten Nachmittagen verlegt Nusseibeh sein Sprechzimmer in ein Hummus Restaurant im Dorf, wo er zusammen mit seinen Studenten, zum Großteil in verwahrlosten Lagern und Dörfern lebenden oder gerade aus jahrelanger israelischer Haft entlassenen jungen Männern und Frauen, zusammensitzt und Kette rauchend diskutiert.

Es mag eigenartig klingen, aber sobald ich meine Studenten näher kennenlernte, fühlte ich mich intellektuell mehr angeregt als in Oxford oder Harvard. Sie lehrten mich, was die Besatzung für mein Volk bedeutete, und nur dank ihnen begann ich, mir Gedanken über die strategischen und geistigen Fähigkeiten zu machen, die sie brauchten, um einen ausgesprochen cleveren Feind zu überlisten.

Diese Salongespräche entwachsen der harschen Lebensrealität von Nusseibehs Studenten und werden dann durch den Lektürekanon befruchtet. Im Westen ist eine liberale Ausbildung an der Universität oft kaum mehr als ein Übergangsritus oder ein Zeichen guter Erziehung; für die Teilnehmer Nusseibehs Kursen jedoch ist sie lebenswichtig: als eine Prophylaxe gegen das Hinunterschlucken des Grolls, gegen das Entweder- oder von Resignation und Terror. Die Studenten empfinden ihre Erfahrungen mit Leid, Terror und Hass als ebenso tiefgehend wie die in der Literatur geschilderten. Bei der Lektüre von Shakespeares ´Hamlet´, des Historikers Thukydides, Fanons „Die Verdammten dieser Erde“ oder des Gilgamenschepos, entzündet sich die erregte Debatte immer wieder an der Frage, ob man bei dem Widerstand auf Gewalt zurückgreifen solle oder nicht. Nusseibehs Leben steht im Lichte der Antwort auf diese grundlegende Frage. 1982 wollen Mitglieder seiner Fakultät einen Betriebsrat einrichten, der ihre Interessen gegen die israelische Politik in Form einer Gewerkschaft vertritt. Nusseibeh wird zum Präsident des Verbandes ernannt. Dieses Amt katapultiert Nusseibeh von heute auf morgen mitten ins politische Geschehen. Durch sein Engagement weitet sich die Kampagne zur Organisation einer Gewerkschaft über die Grenzen der Universitäten landesweit aus. In die Enge getrieben, sucht die israelische Politik jetzt nach einer Möglichkeit, die Universitäten und Schulen zu reglementieren. Unter Rückgriff auf die jordanische Militärverordnung 854 wird bestimmt, dass alle ausländischen Professoren erneute Arbeitsgenehmigungen beantragen sowie eine Loyalitätszusage unterzeichnen müssen, in der es insbesondere heißt, dass sie sich weder am Widerstand gegen die Regierung beteiligen noch Beziehungen zu einer von den Israelis als feindlich definierten Organisation unterhalten werden. Mit diesem Schachzug – Hunderte von Professoren, die an Universitäten des Westjordanlandes lehren, droht die Ausweisung – versucht Israel die akademische Freiheit zu unterminieren und zu verhindern, dass sich eine echte Zivilgesellschaft etabliert.

In unserem Verband und den verschiedenen Studentenvereinigungen wurde darüber diskutiert, abgestimmt und beschlossen auf die Israelis zu pfeifen und im ganzen Westjordanland und im Gazastreifen Anhänger zu rekrutieren. Auf dem Spiel stand nicht nur die akademische Freiheit, sondern unsere Zivilgesellschaft sowie unsere politische Zukunft. Wir zeigten den Besatzern kollektiv den Stinkefinger.Die Israelis wiederholten ihre Drohung, die Universität zu schließen, aber wir blieben bei unserer Haltung. Und als sich die Verwaltung einschaltete, bekam sie dieselbe Antwort von uns wie die Israelis: Vergesst es! Wir riefen weder zu Gewalt auf, noch warfen wir Steine. Wir ignorierten schlicht und einfach den Befehl, und zum allgemeinen – und auch zu meinem – Erstaunen unternahmen die Israelis nichts. … Es war wie Zauberei: Einer disziplinierten, in ihrem Ziel einigen Organisation gelang es, einem mächtigen Staat mit einem skrupellosen, zu allem entschlossenen Sicherheitsapparat seine Grenzen zu zeigen.

Um Unterstützung für ihre Position zu gewinnen, veröffentlicht der Verband unter der Führung Nusseibehs Studien in Zeitungen, verteilt Flugblätter und organisiert Vorträge vor dem Stadtrat und in Universitäten. Auch in ländlichen Gebieten werben sie für Rückhalt in der Bevölkerung. Führende Mitglieder des Verbandes schwärmen in alle Himmelsrichtungen aus, um Dorfbewohnern und Gemeindeältesten die Bedeutung der Verordnung zu erläutern und zu erklären, warum es so wichtig ist, sich dagegen zu wehren. Nusseibeh mobilisiert somit das ganze Land in einer Bewegung, die später als „Mini Intifada“ bezeichnet wird.

Ich empfand es als aufschlussreichen Einblick in die psychische Struktur der Israelis, dass die Reaktion erst bei den ersten Anzeichen von Gewalt kam. Eines Tages marschierte ein isralischer Offizier in Zivil auf den Campus, ging direkt in Verwaltungsgebäude und verlangte von der Universität eine Namensliste aller studentischen Aktivisten. Kaum war der Vorfall durchgesickert, begannen sich die Studenten um das Verwaltungsgebäude zu versammeln. Fast die gesamte Studentenschaft forderte den Offizier mit Sprechchören zum Gehen auf. Als er schließlich eine schmale Treppe herunterkam, wurde er von einem Studenten geschubst und fiel zu Boden. Wir stürmten los, um dafür zu sorgen, dass er den Campus verlassen konnte, ohne in Stücke gerissen zu werden. Er blieb unversehrt, doch es war nun einmal passiert. Am folgenden Tag ordnete die Armee an, den Campus für drei Monate zu schließen. Siebzig Dozenten von verschiedenen Universitäten wurden auf der Stelle abgeholt und des Landes verwiesen.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Basisorganisation der Bewegung jedoch bereits so stark, dass die Israelis mit der Schließung nur eine Ausweitung des Konflikts auf Städte und Dörfer im ganzen Westjordanland erreichen. Als die Universität ihre Pforten wieder öffnet, geht der gewaltlose Kampf gegen die Militärverordnung 854 weiter. Der Verband weigert sich weiterhin, sie zu akzeptieren, und wieder unternehmen die Israelis nichts. Für die Palästinenser ist dieser Sieg ein außergewöhnlicher Augenblick und für Nusseibeh ein bedeutendes Lehrstück.

Seit fünfunddreißig Jahren war jeder Schuss, den wir gegen die Besatzung abgegeben hatten, mit zehnfacher Wucht auf uns zurückgeprallt: Noch mehr Land wurde beschlagnahmt, noch mehr Menschen vertrieben, noch ein Stück unserer Zukunft zertrampelt. Es war ein aussichtsloser Kampf, denn sie hatten eine Strategie, wir nur unsere Gefühle. Jetzt entdeckten wir zum ersten Mal unsere Stärke. Im Repertoire der Israelis fand sich nämlich kein Mittel zur Niederschlagung einer mit voller Überzeugung geführten gewaltfreien Kampagne zivilen Ungehorsams.

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Nach langem Kampf erreicht Nusseibeh nicht nur, dass die Uni in einer Sonderresolution Israel dazu aufruft, die Militärverordnung 854 fallen zu lassen, es gelingt ihm außerdem, die Unterstützung der Internationalen Juristenkommission zu gewinnen. Auch viele israelische Akademiker sprechen sich für den palästinensischen Verband aus, und schließlich gibt Israel klein bei.

Die Tatsache, dass ´radikale Gewaltlosigkeit´ selbst Scharon zu bremsen in der Lage war, bewies doch, dass wir es nicht mit faschistischen Gangstern südamerikanischer Prägung zu tun hatten, sondern mit einer Demokratie, die stolz darauf war, der Gemeinschaft der westlichen Staaten anzugehören. Zivilisierte, intelligente Aktionen haben Erfolg, weil die im Allgemeinen ebenfalls zivilisierten und intelligenten Israelis zögern, Gewaltlosigkeit mit Todesschwadronen zu beantworten. Da sie einer strengen Rechtsordnung unterstehen, werden die Israelis das Feuer nur eröffnen, wenn sie glauben, ungestraft davonzukommen.

lg_044x_0Nusseibeh erkennt, dass es im Kern des Konflikts um das 1967 von Israel eroberte Land geht. Die von Israel als Judäa und Samaria bezeichneten Gebiete zu annektieren, das wagen die Israelis nur deshalb nicht, weil sie nirgendwo auf der Welt Rückhalt finden würden: einem Volk achtundsiebzig Prozent seines Landes zu nehmen, einen Großteil davon ins Exil zu treiben und dem Rest ein paar Jahre später noch die armseligen Überreste zu entreißen, widerspricht jedem Gefühl von Gerechtigkeit. „Wie lange ist die Welt noch bereit, bei diesem Spektakel mutwilliger Grausamkeit tatenlos zuzusehen?“, schreibt Bertrand Russell wenigen Stunden vor seinem Tod im Jahr 1970 über das Verhalten der Israelis gegenüber den Palästinensern. Dass solche Ansichten unter denkenden Menschen die Oberhand gewinnen, ist das letzte, was Israel will.

Also war Gewalt der Schlüssel. Sie wurde zum taktischen Mittel der Israelis, um eine gewalttätige Reaktion zu provozieren, die dann als Entschuldigung für weitere Gewalt diente, die sie ihrem politischen Ziel näherbrachte. Die israelischen Führer wollten den Eindruck erwecken, sie führten einen Kampf auf Leben und Tod gegen eine Bande skrupelloser Terroristen, die es auf die einem Völkermord gleichkommende Zerstörung des jüdischen Staates abgesehen hätten. „Terror“ war der Grund für die Besetzung der Gebiete, und „Terror“ war der Grund für die Errichtung von Siedlungen zu Verteidigungszwecken. Ein Regierungsbeamter gestand 1982 einem Journalisten der Ha´aretz, die Abwendung der Palästinenser vom Terror sei eine „Katastrophe“. Israel sähe es lieber, wenn sie „zu ihren früheren terroristischen Taten zurückkehren, in aller Welt Bomben legen, jede Menge Flugzeuge entführen und viele Israelis töten würden.“ … Meine Analyse bot außerdem eine Erklärung für die bisweilen überwältigende Versuchung, die Palästinenser zu Gewaltakten zu verführen. Oft schien es, als bekämpfe das israelische Militär den Terror nur, um ihn zu schüren, denn Israels wahre Feinde waren Gemäßigte wie Mubarak Awad. … Gemäßigten die Schuld für die Taten von Extremisten in die Schuhe zu schieben, wurde zur Strategie. Auf diese Weise wurden die Gemäßigten geschwächt, die Extremisten hingegen blieben unangetastet – konnte ja sein, dass man sie in Zukunft noch einmal brauchte, um den nachwachsenden Pazifisten den Garaus zu machen.

Nusseibeh beschreibt auch die indirekte finanzielle Unterstützung von extremen Islamisten durch Israel. Diese tun genau das, was die israelische Spitze erwartet: sie verfolgen nicht religiöse Nationalisten und pazifistische Intellektuelle, die in ihren Augen nicht ´rein´ sind und daher der Rechtleitung eher im Wege stehen. So gelingt es den Israelis innerpolitische Konflikte zu schüren, welche die Palästinenser aufreiben und einen einheitlichen Kampf gegen Israel unmöglich machen.

Israels Politik setzt weiter alles daran, jede Opposition als ihrem Wesen nach terroristisch und blutrünstig darzustellen während Nusseibeh für gemeinsame israelisch-palästinensische Komitees und friedliche Proteste wirbt. Während der Golfkrise wird er schließlich verhaftet und ohne Prozess eingesperrt. In der New York Times erscheint ein offener Brief, der unter anderem von Susan Sontag, Arthur Miller, Edward Said und Allen Ginsberg unterzeichnet ist und sich an die israelische Regierung richtet: „Wir sind beunruhigt darüber, dass die israelische Regierung diese schwierige Zeit des Krieges gegen den Irak dazu missbraucht, gerade jene Persönlichkeiten auszuschalten, deren gemäßigte Haltung und Ablehnung von Gewalt für einen gerechten und sicheren Friedensschluss zwischen Israelis und Palästinensern nach diesem Krieg von entscheidender Bedeutung ist.“ Amnesty International bezeichnet Nusseibeh als politischen Häftling und das US Außenministerium erklärt, er sei jemand „mit dem Israel Gespräche führen sollte, anstatt ihn zu verhaften.“ Ein Journalist der in Tel Aviv erscheinenden Tageszeitung Ha´aratz schreibt: „Für mich war es ein furchtbarer Schock, dass dieser wuschelköpfige Professor aus Birseit der Spionage angeklagt wurde. Wenn es nicht so tragisch wäre, müsste man darüber lachen!“

Nusseibeh nutzt den Gefängnisaufenthalt, um sich einen Überblick über das komplizierte kulturelle und politische Leben von Gefangenen zu verschaffen, den Koran tiefgehend zu studieren, sich mit religiösen Häftlingen verschiedener Glaubensrichtungen zu unterhalten und nicht zuletzt auch damit, zum wiederholten Male „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu lesen. Er schreibt darüber hinaus seinen Kindern Briefe, deren erster mit den rührenden Worten beginnt:

Gefängnis von Ramle, 29. Januar 1991. Ich mache diesen Brief meinen Kindern zum Geschenk, die in Zukunft auch meine Freunde sein werden.

Die Erinnerungen Sari Nusseibehs enden in den Anfangsjahren des 21. Jahrhunderts mit dem Mauerbau Sharons. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen erkennt er die Mauer als das, was sie ist.

Sharons gut sechs Meter hohe Konstruktion war das perfekte Verbrechen – nicht nur, weil sie das Westjordanland zerschnitt und Ostjerusalem hermetisch von den Dörfern und Städten abriegelte, die seit Jahrtausenden sein natürliches Hinterland gewesen waren. Es ist die Tatsache, dass kaum jemand die wahren Motive des Premierministers ahnte, die nicht in der Beendigung des Terrorismus lagen. Kassam-Raketen können leicht eine sechs Meter hohe Barriere überfliegen. Nein, sein wahrer Todfeind waren der menschliche Dialog und das Bedürfnis nach Normalität. Die Mauer ist das perfekte Verbrechen, weil sie die Gewalt heraufbeschwört, die sie zu verhindern sie angeblich errichtet wurde. Es ist so, wie wenn man jemandem in einen Käfig steckt und seine verständlichen Proteste als Beweis seiner Gewalttätigkeit hinstellt.

Gewaltanwendung ist nicht nur unmenschlich, sondern in diesem Fall auch politisch sinnlos, ja kontraproduktiv. Die rechten Politiker Israels wussten , wie sie am besten eine Reaktion der Palästinenser provozieren konnten, die ihrerseits wiederum die israelischen Aktionen rechtfertigen würde. Jeder Terroranschlag gab den Israelis Gelegenheit, ihre Kontrolle über die besetzten Gebieten durch den Bau neuer Siedlungen auszuweiten.

In diesem Licht erkennt man die gewaltsamen Auseinandersetzungen als eine von Israel gestellte Falle, um die Palästinenser noch tiefer in ihre Gewalt zu treiben. Als Professor im Krisengebiet lehrt Sari Nusseibeh seinen Studenten, wie man den Israelis mit Ideen und Überzeugungskraft statt mit Steinen und Molotowcocktails begegnen kann. Ihm ist bewusst, das die Armut und das Leid sein Volk zu einer leichten Beute einer Ideologie der Gewalt macht, die schnelle revolutionäre Lösungen verspricht. Aber er tut alles dafür, dass die jungen Araber ihre Aufmerksamkeit auf die Menschlichkeit richten, gegen die Extremisten auf beiden Seiten, die einen mit Bomben, die anderen mit Bagger. Der Scharonismus und die Hamas seien, so Nusseibeh, zwei Seiten ein und derselben Medaille. Beiden schlagen die Tür zum Dialog zu.

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, warum Nusseibeh, der sein Leben dem friedlischen, intelligenten Protest und dem Dialog zwischen den beiden Völkern widment, von der isralischen Politik als „der gefährlischste Palästinenser“ eingestuft wird.

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