

Was wir in der Biologie vergebens suchen, finden wir in der Fantasie.
In Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes steht:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Würde man spaßeshalber das Grundgesetz in die Sprache der Biologie übersetzen, bekäme man wahrscheinlich so etwas wie:
(1) Die Organe der Menschen sind tastbar. Sie zu verändern und zu mutieren ist der natürliche Prozess der Evolution.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu verletzlichen und veräußerlichen Eigenschaften als Grundlage jedes menschlichen Lebens, der Anpassung und der Fortpflanzung in der Welt.
Würde? Naja. Menschenrechte? Sie scherzen. Freiheit? Der war gut!
In der Natur könnten wir lange danach suchen und wir würden nichts dergleichen finden. Schauen wir dagegen in den Büchern, Reden oder Facebook-Posts der Menschen nach, strotzt unsere Welt vor solchen Begriffen. Wir scheinen ein großes Interesse daran zu haben, sie als Tatsachen zu sehen, auch wenn sie in der Natur nicht auftauchen.
Was wir also in der Biologie vergebens suchen, finden wir in der Fantasie.
Der Glaube an die erfundene Geschichte
Im Grunde leben wir in zwei unterschiedliche Ordnungen.
Die natürliche Ordnung ist ziemlich stabil und besteht über die Zeit hinweg ohne menschliche Einflussnahme. Die Schwerkraft gab es lange vor dem Menschen und sie wird lange nach ihm existieren. Sie ist nicht vom Menschen gemacht.
Die erfundene Ordnung dagegen ist verdammt instabil, weil sie auf Mythen gebaut ist. Mythen sind Erzählungen und haben die dumme Neigung, wie Kartenhäuser in sich zusammenzufallen, wenn niemand mehr an sie glaubt. Die zweite Ordnung beruht also auf dem Glauben. Und sie hat in unserem täglichen Leben die größte Macht.
7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Ich möchte mehr von Ihren nieder geschrieben Zeilen lesen! Das ist ein sehr interessantes Thema. Ich bin froh, dass ich über Rebel Comedy, auf Sie gestoßen bin. Ich war nie ein Bücher Fan, wie auch, wenn es mir niemand gezeigt hat (meine Eltern) meine Mutter ist Deutscher Herkunft, und mein Vater ist libanese mit palästinensischen Wurzeln. Ich habe mir vorgenommen, mehr zu lesen. Und ich möchte auf jeden Fall, etwas was Sie geschrieben haben lesen!
Ich freue mich, dass du deinen Weg zu uns gefunden hast. Und dass wir deine Lese-Freude geweckt haben, ist natürlich wunderbar. Wir werden noch in diesem Jahr ein Literaturrubrik hinzufügen, in der Babak und ich über Bücher diskutieren. 🙂
Dankeschön für diesen sehr interessanten Artikel,wenn man sich mit dem Thema “Nationen”, im historischen und philosphischen Bereich auseinandersetzt, kommt man genau zu diesen Kernpunkten, die Sie beschrieben haben.
Ich freue mich auf weitere Artikel.
Liebe Grüße 🙂
Also erst einmal: Ich schätze eure Arbeit hier sehr. Ich finde, dass ihr sehr talentierte Schreiber seid und auch die richtigen Themen aufgreift. Damit meine ich nicht nur die gesellschaftlichen Themen. Ich habe auch einige Artikel Babaks gelesen und bin schlichtweg begeistert. Und falls ihr das nicht glaubt: ich schreibe das zweite Mal auf dieser Seite einen Beitrag. Ich schreibe sonst NIE irgendwo irgendetwas.:D Ganz einfach deswegen, weil mich nichts dazu bewegt. Ich glaube, das ihr hier wirklich etwas besonderes macht und wirklich für die „Literatur der neuen Generation“ sorgt und auch dafür sorgt, dass Leute nach einem Artikel zum Denken angeregt werden.
Über das Thema des Artikels habe ich mir vor längerem einmal Gedanken gemacht. Dabei war der ausschlaggebende Denkanstoß nicht die Frage der hier lebenden Menschen mit Migranionshintergrund, die meistens erst in der 2./3. Generation hier leben, sondern der nahe Osten und dem damals beginnenden Syrienkrieg. In dieser kompletten Region leben seit Generationen Menschen, die sich nicht nur über die Nationalität definieren. Innerhalb ihrer Nationalität definieren Sie sich über Religion oder Sprache, die auch innerhalb eines Landes unterschiedlich sein kann. Und wenn sie dann auch noch die selbe Sprache und/oder Religion teilen, fangen sie an sich über ihre Herkunftsstadt und dann wiederum ihre Familienstämme zu definieren. Dadurch entstehen immer diffusere kleine Gruppen, denen man sich zugehörig fühlt und die sich früher oder später gegenüberstehen. Sei es in Frieden oder Krieg.
Migranten in Deutschland werden wie in dem Artikel beschrieben weder in der „deutschen“ Gesellschaft als wirklich deutsch wahrgenommen, noch in der „ausländischen“ Gesellschaft der jeweiligen Heimatländern. Was folgt, ist die Bildung einer dritten Gruppe.
Ich bin also zu dem Schluss gekommen, dass Menschen aus irgendeinem Grund das Verlangen haben einer Gruppe anzugehören, die Ähnlichkeiten mit einem selbst aufweisen. Das wiederum widerspricht doch unserem eigentlichen Verlangen, uns individuell zu entwickeln und einzigartig zu sein. So wie es doch die „aktuelle“ Ordnung eigentlich vorgibt. Wir wollen also individuell sein, aber nicht zu individuell, um dennoch einer Gruppe anzugehören und so nicht in eine „Identitätskrise“ zu gelangen. Wir wollen am Ende des Tages genügend Gemeinsamkeiten mit einer Gruppe haben, um nicht zu vereinsamen. Der Mensch ist schließlich doch ein soziales Wesen. Daher glaube ich nicht, dass es einfach nur reicht neue Geschichten zu erzählen, so wie es hier postuliert wird. Es gibt nämlich mindestens so viele Geschichten wie es Menschen gibt. Daran mangelt es nicht. Ich glaube viel mehr, dass man gemeinsam neue Geschichten schreiben muss. Erst so gewinnt man Gemeinsamkeiten und kann eine „neue Gruppe“ bilden, die nichts mit Nationalität oder Sprache zu tun hat.
Ich glaube, sowohl deiner Analyse, dass wir ein Verlangen nach Identifikation haben, um einer Gruppe anzugehören, als auch das daraus resultierende Widerspruch, einem gänzlich individuellen Menschen zu entsprechen, stimme ich vollkommen zu und ist auch Thema anderer Artikel (Stichwort:liberaler Humanismus). Doch mit einer neuen Geschichte erzählen, ist eben dieses gemeinsame Schreiben gemeint. Falls es so rüber gekommen ist, dass hier wieder eine neue Gruppe entstehen soll, die seine eigene Suppe kocht, dann war ich missverständlich. Ich postuliere das auch nicht, sondern denke, dass wir eine neue Geschichte gerade ohnehin schreiben. Wir sollten uns das aber bewusst werden und schauen, was für gemeinsame Geschichten wir wollen. Danke für deine anregenden Posts. Wir wissen das sehr zu schätzen.
Wo kann man euch folgen. Ihr schreibt toll !
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